Gleitschirmfliegen in Gröden

STRECKENFLUG MIT DEM TANDEMGLEITSCHIRM IN DEN DOLOMITEN – MEIN ERLEBNIS!

Die Dolomiten und das Grödnertal haben mich schon immer begeistert. Ich besuche seit vielen Jahren Südtirol und habe mich in die Dolomiten verliebt. Jedes Jahr mache ich mehrere Touren im Naturpark Puez-Geisler, Schlerngebiet, Sellagruppe und Langkofelgruppe.
Jetzt möchte ich die Dolomiten von oben erleben mit einem Gleitschirm-Tandemflug.
Ich habe schon Gleitflüge und Thermikflüge vom Monte Grappa in Bassano, meiner Heimatstadt gemacht.
Aber die Dolomiten aus der Vogelperspektive zu erleben, ist mein größter Wunsch!
Habe im Internet gegoogelt und mehrere Gleitschirmanbieter gefunden, die Streckenflüge in den Dolomiten anbieten. Überzeugt hat mich Gardenafly, ein Gleitschirmteam aus Gröden. Vor allem die ansprechenden Fotos lassen mein Herz schon höher schlagen und das Team mit zwei Weltmeistern wirkt extrem professionell.

Ich kontaktiere Gardenafly per Mail und informiere mich über Streckenflüge mit dem Tandem in Gröden und Umgebung. Der Pilot Kilian fragt mich, ob ich schon Erfahrung im Tandemfliegen hätte, denn die Voraussetzung beim Streckenfliegen ist, dass man mindestens einen Thermikflug gemacht hat und dass der Passagier keine Probleme mit dem Magen hat, d.h. nicht an Seekrankheit leidet…
Ich bestätige, keine derartige Probleme zu haben und meine Thermikflüge, ohne jegliche Beschwerden genossen zu haben.
Wir verbleiben, dass Kilian mich ein paar Tage vor dem gutem Streckenflugwetter anrufen wird und wir dann den Termin vereinbaren werden. Schon nach einer Woche klingelt mein Telefon und der Pilot meldet gutes Streckenflugwetter. Eigentlich hätte ich keine Zeit und müsste arbeiten, aber die Lust zum Tandemfliegen in den Dolomiten ist zu groß und ich sage zu.

Wir treffen und zwei Tage später um 12.00 Uhr an der Talstation der Umlaufbahn Seceda in St. Ulrich – Gröden. Der Pilot begrüßt mich freundlich und wirkt locker und sympathisch. Während der Bergfahrt erklärt er mir in einfachen Worten die Wind- und Wetterbedingungen, die auf gutes Streckenflugwetter hindeuten. „Oben ist es kalt und unter warm, schöne Haufenwolken schmücken den Himmel… die versprechen gute Thermik“. Am Startplatz angekommen, wiederholt mir Kilian die wichtigsten Sachen vom Startvorgang und die Sitzposition im Flug. Klingt sehr einfach!
Die Erwartungsfreude ist so groß… ich kann es kaum abwarten zu starten.

Der Wind steht gut an, wir bereiten uns zum Start vor. Zwei Schritte und wir heben ab… dieses unglaubliche Gefühl überwältigt mich jedes mal von Neuem: wir gleiten, fliegen, schweben! Es ist unbeschreiblich! Die Thermik ist stark, wir steigen konstant nach oben. Der Startplatz wird immer kleiner. Genau so habe ich’s mir vorgestellt: gleichmäßige Kreise dem Himmel entgegen… den Thermikwolken immer näher. Das Panorama mit der Geislergruppe zum Greifen nahe ist atemberaubend. Wir sind schon über 3000 m Meereshöhe gestiegen, jetzt gleiten wir zum Sass Rigais in der Geislergruppe. Ich kann es nicht glauben: vor einem Jahr erst bin ich den Klettersteig mühsam in mehreren Gehstunden hochgestiegen und jetzt schwebe ich in 20 Minuten darüber. Was für ein Erlebnis!

Kilian erklärt mir den nächsten Peilpunkt: die Steviagruppe. Wir gleiten Richtung Regensburgerhütte und weiter zum Steviamassiv. „Drüben unter der kleinen Wolke müssten wir Thermik finden“, so die Worte des Piloten. Wir steuern direkt zur Wolke und steigen wie im Fahrstuhl… „Wie kann der Pilot das wissen?“, frage ich mich. Hier sieht man die Erfahrung des Piloten, der schon über 30 Jahre Gleitschirm fliegt. Ich fühle mich sehr wohl in der Luft und habe vollstes Vertrauen im Piloten. Es ist schön, wie er mir seine Entscheidungen erklärt, wo und warum er in bestimmten Orten Thermik sucht.. Ich fühle mich fast wie eine Pilotin.

Jetzt machen wir maximale Höhe, sagt Kilian, um die große Querung zum Langkofel zu schaffen. Bis zur Wolkenuntergrenze auf gut 3450 m steigen wir. Obwohl wir im Sommer sind und ich mit einem Fluganzug bekleidet bin, wird es frisch auf dieser Höhe. Wir gleiten über 10 Min. gerade aus Richtung Mont Seura oberhalb Monte Pana (St. Christina) und suchen die Thermik an den Westhängen des Langkofels. Mühsam und mit viel Geduld kämpft sich der Pilot an den schroffen Wänden der Salamiwand am Langkofel empor. Ich kann es noch nicht glauben, wir sind fast an der Spitze des Langkofels angekommen.
Es ist herrlich, um uns herum nur Berge: die Sellagruppe, Langkofel- und Plattkofelgruppe, im Nordosten die Puez-Geislergruppe und Richtung Westen die riesige Seiser Alm mit dem Schlern. Richtung Osten sehen wir die Marmolada, die Königin der Dolomiten. Mein Traum, die Dolomiten aus der Adlerperspektive zu erblicken, geht in Erfüllung. Ich fühle mich wie ein Adler, leicht, frei und in einer anderen Dimension. Wer dieses Gefühl vom freien Fliegen nicht erlebt hat, kann nicht verstehen von was ich spreche und was ich erlebe…

Über dem Langkofel angekommen, steigen wir noch weiter bis auf 3400 m und gleiten dann zur Seiser Alm… Ein endloser Gleitflug zum Puflatsch über der Seiser Alm und wir sehen auf der Westseite Kastelruth… Jetzt kehren wir gemütlich zurück nach St. Ulrich und landen nach ca. 2 Stunden Flug an der Paulihütte im Annatal.
Dieser Flug hat all meine Erwartungen übertroffen, vom Panorama, Fluggefühl, Aussichtspunkten und Adrenalinspiegel… ich bin wie außer mir, Streckenfliegen ist meine Leidenschaft.

Wir gönnen uns ein Landebier und gehen den Flug nochmals mental durch. Der Pilot zeigt mir die fantastischen Bilder und Videos, die wir mit der Gopro Kamera gemacht haben. Wie in Trance und voller Endorphine im Kopf genieße ich noch lange diese magischen Momente des Fluges.
Ich danke dem Piloten für dieses unglaubliche Erlebnis.
Ich werde wieder kommen und weitere Flüge mit Gardenafly machen.
Vielen Dank und gute Flüge!

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